Rahel Varnhagen von Ense geb. Levin

geboren 1771 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Markus Levin und seiner Frau Chaja, gestorben 1833.
Zu einer Zeit, in der es in Deutschland noch keine schulische Bildung für Mädchen gab, entwickelte sich Rahel nach Ansicht ihrer Zeitgenossen zur geistreichsten Frau Europas. Ihr Salon wird zu einer "Republik des freien Geistes, vereinigt im Haus eines anspruchslosen Bürgermädchens".


In ihrem ersten Salon trafen sich zwanglos Frauen und Männer, Adelige und Bürger, Deutsche und Ausländer, Christen und Juden. Zu ihren berühmten Gästen zählten die Humboldts, Schlegel und Schleiermacher, der Fürst von Ligne und Prinz Louis Ferdinand.


In ihrem zweiten Salon verkehrten zum Beispiel Eduard Gans, Ludwig Börne und Heinrich Heine. Einen der berühmtesten (Salons) gründet Rahel Levin, später Rahel Varnhagen in Berlin. Bei ihr trifft sich, was Rang und Namen hat: Fürsten und Philosophen, Dichter und Musiker, Lebedamen und Bürgertöchter. Man streitet, kritisiert, klatscht, liest vor und diskutiert. Ernsthaft oder leichthin. Spöttisch oder gebildet. Mit Tiefsinn oder Witz, immer aber aufgeschlossen und tolerant.
Wer reden kann, vertritt seine Meinung: Über die Französische Revolution oder die Rechte der Frau. Über neue Literatur und die Liebe. Über Schauspielkunst und Affären. Über Napoleon und Hegel.


Mit ihrem Salon lebt Rahel Levin ein Musterstück europäischer Geistesgeschichte. Felix Mendelssohn-Bartholdy, musikalisches Wunderkind und Komponist des Hochzeitsmarsches, ist später nur einer ihrer vielen, berühmten Gäste aus ganz Europa. Goethe, der sie im böhmischen Karlsbad trifft (...), rühmt nicht nur ihren "außerordentlichen Verstand": "Sie ist, was ich eine schöne Seele nennen möchte".


Rahel unterhielt außerdem mit Freundinnen und Freunden lebenslang eine ausgedehnte Korrespondenz, die ihr Mann nach ihrem Tod in Buchform veröffentlichte.

(Informationen aus der Politik Journal für Deutschland. Ein Magazin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. August/September 1995, S. 11)

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